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FAIRKULTUR 2018, Ort einer neuen Kultur des Wirtschaftens

In der Genossenschaft FAIRKULTUR wird die Kulturwirtschaft vom Standort einer Solidargemeinschaft auch als "Alternative Wirtschaft" gedacht.

Kunst- und Kulturarbeit spielt als Wirtschafts- und Wertefaktor in der Gesellschaft eine zunehmend wichtigere Rolle. Das betrifft die wachsenden Umsätze in der Kultur- und Kreativwirtschaft, die zurzeit die Umsätze der Chemiebranche übertreffen. Aber auch die Bedeutung in der omnipräsenten Digitalwirtschaft wächst, die ohne künstlerische und kulturelle Inhalte, wie Filme, Fotos, Audio und Texte, zu mangelnder Akzeptanz des Nutzers bei Handy, Computer, Smart-TV usw. führen würde.

Im Kunst- und Kulturbereich werden viele Stunden Arbeit unentgeltlich geleistet. Diese geleisteten Stunden sind aber nicht Bestandteil der offiziellen Wertschöpfung unseres Landes. Sie tauchen in keiner Statistik der Volkswirtschaft auf, obwohl die kulturellen Werte als zivilisatorisches Fundament der Republik gelten.

Wenn aber von den Werteschaffenden, hierzu gehören insbesondere Künstler*Innen, Kulturschaffende, aber auch ihre Angehörigen, es von der Gesellschaft als selbstverständlich erachtet wird, unentgeltlich zu arbeiten, müsste dazu auch eine entsprechende Wirtschafts- und Sozialpolitik betrieben werden. Diese sollte den Protagonisten gerecht werden, um sie nicht in ein Prekäriat entlassen zu müssen.

Die Kulturwirtschaft, ist wahrscheinlich die einzige Branche, die ihre vom Grundgesetz verbriefte "Freiheit des Denkens" auch auf die Theoriebildung der Ökonomie anwenden wird, um somit die mit der Theorie verbundenen Wirtschaftsgesetze und Politik mitzugestalten. Dies wird der Kulturwirtschaft aber im politischen Raum nur gelingen, wenn ihr auch eine entsprechende ökonomische / statistische Potenz zugesprochen wird. Nur dann werden sich auch die existenziellen Rahmenbedingungen für Kunst- und Kulturschaffende und Kreative so verbessern - dass sie davon leben können.

Gerade hier die freie denkende Kraft nutzend, sollte sich die Branche nicht alleine dem Mainstream der Wirtschaftswissenschaften unterwerfen. In der der Mensch primär als Nutzenmaximierer und Homo oeconomicus verstanden und reduziert wird. Dieses Selbstverständnis schafft einen Ökonomiebegriff, in der der Kunst- und Kulturschaffende nicht vorkommt. Denn Kunst, Kulturschaffende und Kreative würden ihre Freiheit verlieren, wenn nur der Nutzen im Vordergrund stünde, damit entzöge er sich seiner eigenen Existenz- und Arbeitsgrundlage.

Somit muss eine Ökonomie gedacht werden, in der sich die KünstlerInnen, Kulturschaffende und Kreative wiederfinden, in der der Mensch, Humanität und Umwelt/Natur im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Denkens stehen.

Wirtschaftstheorien und Wirtschaftsgesetze bedingen sich gegenseitig. Neue Wege und Alternativen könnte eine "Plurale Ökonomik" bieten, die andere / weitere Theoriebildungen zulassen oder entwickeln.

Eine ernstzunehmende Kulturwirtschaft, sei es als Theorie oder Branche, wird den "Pluralen Ansatz" als Weg wählen, um eine Abbildung seiner Realität zu ermöglichen, die in dem großen Konzert der Allgemeinwirtschaft zurzeit untergeht.

Noch ist der Begriff der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Politik der Branche aufgenötigt worden und dem wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream unterworfen. Die meisten Protagonisten können damit nichts anfangen - das zeigt die langjährige Erfahrung. Was aber verkannt wird, ist, dass diese Branche das (kreative) Zeug dazu hat, eine ihm originäre Kulturwirtschaft mit eigenen Inhalten zu füllen, was zu neuen Theoriebildungen in den Wirtschaftswissenschaften führen wird und damit auch von den eigenen Protagonisten angenommen werden kann.

"Die genuine Idee... jetzt nicht nur aus der Ökonomie sondern aus der Philosophie kommend ist, dass der Mensch die Fähigkeit zur kreativen Selbstgestaltung hat, ...es ist nicht eine Wahlfreiheit, sondern eine genuine Gestaltungsfähigkeit des gesamten individuellen und sozialen Kontexts, aus dem Alternativen überhaupt hervorgehen können."
Zitat der neu gegründeten Cusanus Hochschule für Philosophie und Wirtschaftswissenschaften in Bernkastel-Kues.

Eine solche Selbstgestaltung im sozialen Kontext, findet im Rahmen einer Solidargegemeinschaft wie der Genossenschaft statt. In ihr werden alle erforderlichen Akteure des kreativen Denkens für Projekte, Weiterbildungen, Veranstaltungen / Bewegungen aus dem gesamtem Gesellschaftsbereich zusammengeführt und beginnen im Kontext der gesellschaftlichen Wirklichkeit ihre Vorhaben umzusetzen. Die später unser aller Zukunft sein werden.

FAIRKULTUR ist ein gegenwartsbezogener, konkreter Kreativprozess der verändert und NEUES möglich macht.

Somit geht es Fairkultur nicht nur um Produktion, sondern (auch) um Konstruktion in Gesellschaft.

Jeder kann hierbei mitkonstruieren - auch du...

Februar 2018